Geschichtsleben für Gemeinwesen


Nicht nur kommunale Steuereinnahmen nehmen rapide ab, auch die allgemeine Beteiligung der Bürger an ihrem Gemeinwesen sinkt dramatisch, wie zum Beispiel die geringe Teilnahme an Kommunalwahlen zeigt. Die Gründe hierfür sind zahlreich und reichen tief in die Gesellschaft hinein; einen möchte ich herausgreifen: Die fehlende emotionale Verbundenheit vieler Einwohner mit ihrem Wohnort.

Der Begriff "Lebensmittelpunkt" trifft hier nur bedingt zu; die ausgreifende Mobilität der Menschen führt gleichzeitig zu einer Ausweitung ihres geografischen Lebenskreises, zur starken räumlichen Trennung von Arbeit, Freizeit und Wohnen.
Durch die Flucht aus der Kernstadt und den Zug in die Vororte und Dörfer des Stadtumfeldes entstanden und enstehen neue Wohnanlagen und Ortsteile, denen außer administrativen und infrastrukturellen Verbindungen keine Verknüpfung mit dem entsprechenden Stadtteil oder Ortskern mehr gelingt. Statt dessen scheinen sie durch ihre Einwohner mittels zahlreicher und vielfältiger Beziehungen vielmehr an die nahe gelegene Groß- bzw. Mittelstadt gebunden zu sein.
Wie kann in dieser Situation ein Zusammengehörigkeitsgefühl zum Wohnort existieren, wie kann hier "Heimat" gebildet werden; Heimat im Sinne einer "symbolisch überhöhten Projektion einer Lebensgemeinschaft, der man sich quasi - egalitär zurechnet und zugehörig fühlt" (Everhard Holtmann)? Dies kann nicht erschlossen, nicht gebaut werden.

Eine Lösung scheint im Rückgriff auf die Vergangenheit zu liegen, indem eine Gemeinsamkeit geschaffen, eine allen zugängliche lokale Identität angeboten werden soll. Es wird versucht, den Trend des Zentrifugalen zu stoppen, ihn umzudrehen und die neuen Teile an die Mitte anzubinden, damit das Zentrum wieder seine Funktionen erfüllen kann.
Doch oft ist die Versuchung zu groß, die Geschichte im Sinne ihrer Einfügung in die corporate identity des Gemeinwesens, zur Unterstützung des Produktes Kommune zu instrumentalisieren, statt ihr in ihrer eigentlichen Aufgabe, der Beschreibung einer menschlichen Gemeinschaft im Zeitlauf, freien Raum zu lassen. Eine geglättete, lockere, harmonische Ortsgeschichte verliert jegliche Bedeutung, verhindert die Auseinandersetzung mit vorhergegangenen Generationen und beschneidet das Gefühl wahrer Verbundenheit mit ihnen, durch welches erst das Interesse an der Geschichte geweckt wird.

Aber Geschichte kann durchaus zu einer gemeinsamen, gemeinschaftlichen Identität beitragen, wenn sie eingebettet wird in den Rahmen der Gesamtkultur, der Gesellschaft, der Lebenswirklichkeit. Geschichte ist nie nur Dorfchronik, sondern immer Teil von etwas Größerem, Umfassendem. Im Kleinen wird jede Strömung, Entwicklung, Veränderung deutlich. Dieses aufzugreifen, dem Ort seinen ganz besonderen Platz im Weltenlauf zu zeigen, dies sollte die Aufgabe von Geschichtsschreibung sein.
So kann in einem Gemeinwesen ein Geschichtsleben gestaltet werden. Dieses Geschichtsleben umfaßt mehr als lediglich die Erstellung einer Broschüre bzw. eines Buches oder die Durchführung eines Stadtfestes, es ist statt dessen eher als ein Komplex verschiedener Teile zu begreifen, bestehend aus Festen, Veranstaltungen, Wettbewerben, Schriftenreihen, Vereinen. Es kann das Besondere eines Ortes aufgreifen und seinen Einwohnern nahe bringen: Geschichtsleben als lebendige, fließende, fühlbare Geschichtsschreibung.

Ich biete diese Art von Geschichtsschreibung an: Entwurf, Planung, Begleitung und Durchführung eines kulturell-historischen Gesamtkonzeptes für Ihre Gemeinde, Ihre Stadt, Ihren Kreis, Ihre Region - Geschichtsleben als Identitätsmanagement. Kontaktieren Sie mich und informieren Sie sich über meine Vorschläge.

Geschichtsleben@der-historiker.de

Hannover, 04.03.2002

Literaturhinweis:
Schilling, Heinz: Ortsjubiläen ohne Gedächtnis. Geschichte als Medium des lokalen Identitätsmanagements, in: Geschichte lernen 49 (1996), S. 60-65.


Stadthistorische Museumsarbeit

Ziele: Aufgaben: = "multiperspektivische Ausdehnung", Geschichtsleben

Formen:


Wasserstadt Limmer

Ziele/Gründe:

Es handelt sich bei dem Projekt um die Einrichtung eines "Geschichtsortes" auf dem ehemaligen Gelände der Continental AG, innerhalb dessen verschiedene bereits erdachte Konzepte verbunden werden sollen.

Zu einen steht dieser "Geschichtsort" in der Tradition der maisons de la memoire (Geschichtshäuser) des Albert d´Haenens, in denen, im Bewußtsein der elektronischen Revolution, eine moderne "Vitalisierung der Erinnerungen" stattfindet. Jeder, ob Einzelperson oder Verein, wird hier tätig werden können, insbesondere um Erinnerungen auf verschiedene elektronische Träger aufzunehmen und für nachfolgende Generationen in einer Mediothek zu archivieren. Dieser Teil des "Geschichtsortes" dient den Begegnungen der Menschen, der Kommunikation und Interaktion.

In dem geplanten "Geschichtsort" wird sich weiterhin ein Ausstellungsraum befinden, in dem Aspekte der Geschichte des Werkes und des Stadtteils und ihrer Beziehungen zueinander gezeigt werden. Dieser Ausstellungsraum sollte im Sinne von Raffael Rheinsberg gestaltet werden, nämlich als Wiederaufbau des Gewesenen, "als Erinnerung an all jene, die vordem an diesem Platz gewohnt [bzw. gearbeitet (FH)] haben. Dadurch entsteht ein musealer Raum, der die Aufgabe hat, Menschen zu sensibilisieren für das Leben und ihre Geschichte." Hier treffen sich interessierte Bewohner des ehemaligen Werksgeländes und des Stadtteils als Ausstellungsmacher und -besucher.

Ein dritter Bestandteil des "Geschichtsortes" wird ein historisches Cafe sein, das möglichst authentisch die Zeit der Jahrhundertwende 1900 abzubilden versucht. Dabei ist insbesondere im Bereich des gastronomischen Angebotes der überlieferten Wirklichkeit der unbedingte Vorzug zu geben. Hier soll "lebendige Geschichte" stattfinden, indem mit allen Sinnen eine Reise in die Vergangenheit unternommen wird, ohne nostalgische Klischees zu bedienen.


Bückeburger Zeitsprünge

Da die (neue) Bückeburg zuerst 1304 erwähnt wurde und das Gemeinwesen 1609 von Graf Ernst von Schaumburg-Lippe zur Stadt erhoben wurde, besteht die besondere Möglichkeit und Chance, die beiden Jubiläumsjahre zu verknüpfen und in der Zwischenzeit umfassend angelegte Festlichkeiten, Veranstaltungen und Vorhaben verschiedenster Art durchzuführen. Der Nutzen der Geschichte zur Festigung einer gemeinsamen Identität, die positiven Effekte auf Tourismus und Wirtschaft, das bereits existierende große Interesse an vergangenen Lebensformen und die gesellschaftlichen und kulturellen Verpflichtungen der Geschichte gegenüber sind offensichtlich und brauchen deshalb, denke ich, nicht weiter ausgeführt zu werden.

Es ist denkbar, in den sechs Jahren von 2004 bis 2009 Veranstaltungen durchzuführen, zu unterstützen und durchführen zu lassen, die jedes Jahr einer Zeitperiode entsprechen, um innerhalb dieses Gesamtzeitraumes von der mittelalterlichen Geschichte über die Neuzeit zum modernen, heutigen Bückeburg zu gelangen. Dies würde sich zudem gut in das Stadtmotto "Trend und Tradition" einfügen. So könnte 2004, anläßlich der 700 Jahre zurückliegenden urkundlichen Ersterwähnung der Bückeburg, das Mittelalter mit dem Zeitraum 1300-1500 thematisiert werden, 2005 das 16. und 17. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt der Geschichte der schaumburg-lippischen Grafen und der Existenz Bückeburgs als Residenzstadt usw.

Dass diese Veranstaltungen, die von Internetprojekten über Musikkonzerte, Straßenfeste und Schulwettbewerbe zu Ausstellungen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen reichen sollten, nicht alleine von der Stadt getragen werden können, ist klar. Hier sind interessierte Bürger und -vereinigungen, Institutionen und Firmen gefragt, auch über Bückeburg hinaus. Gerade die möglichst breite Streuung der Veranstaltungen ist ein Kernpunkt dieses Projektes, um eben sowohl Fachleute als auch Laien anzusprechen, um Bürger und Touristen, Kinder und Senioren zu begeistern. Die Verbundenheit der Einzelveranstaltungen und -projekte untereinander darf dabei nicht vernachlässigt werden - eine einheitliche Linie ist zu verfolgen, vor allem über die Gesamtdauer der Bückeburger Zeitsprünge.

Aus diesem Grund sehe ich die Notwendigkeit einer zentrale Stelle, die die einzelnen Projekte initiiert, sie vernetzt und innerhalb des Gesamtzusammenhanges koordiniert. Sie soll als Ansprechpartner wirken, Anregungen und Unterstützung anbieten. Ich gehe davon aus, dass dafür eine hauptamtliche Stelle ausreicht, der bei zeitweiligem Bedarf weitere Arbeitskräfte zugeordnet werden.

© 2006 Florian Heidtmann